Aktuelles 2011:

Nächster Stammtisch des Arheilger Geschichtsvereins:

An jedem ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr

Ort:  Matis 2:0, Gehmerweg (FCA)

Mitglieder und Gäste sind willkommen

Ausnahmsweise ist der nächste Stammtisch am Donnerstag, den 2. Februar 2012
   
   

 

Arheilger Geschichtsverein (Hrsg.) Schwarzer Karl. Ein mutiger Arheilger trotzt den Nazis. Pfarrer und Oberkirchenrat Karl Grein. Darmstadt Justus von Liebig Verlag 2011
Der Band 1 der Schriftenreihe des Arheilger Geschichtsvereins ist für 10 € erhältlich, z.B. im Reisebüro Jeder, Frankfurter Landstraße 155.

 

Vorstellung des 1. Bandes der Schriftenreihe des Arheilger Geschichtsvereins

Auf dem Bild von rechts zu sehen: Oberkirchenrat Dr. Klaus-Dieter Grunwald, Hans-Heinrich Herwig (Schwiegerenkel von Karl Grein), Peter Benz, Pfarrer Harald Marks, Frau Grünewald, Horst-Adalbert Härter, Gerhard Korreng, Prof. Dr. Helmut Castritius und Ludwig Jäger.

Foto von Michael Jeder - 15. Juni 2011

 

„Schwarzer Karl“: Ein mutiger Arheilger trotzt den Nazis

Pfarrer und Oberkirchenrat Karl Grein

Mit diesem Titel eröffnet der Arheilger Geschichtsverein seine neue Schriftenreihe. Herausgeber sind Universitätsprofessor Dr. Helmut Castritius, Oberkirchenrat i. R. Dr. Klaus-Dieter Grunwald und Pfarrer Harald Marks. Sie möchten mit dieser 95-seitigen Schrift an den Arheilger Pfarrer und ersten Personalreferenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Oberkirchenrat Karl Grein (1881 – 1957) erinnern. Karl Grein hat nicht nur als Gemeindepfarrer der Arheilger Auferstehungsgemeinde (1920 – 1950 ) bleibende Spuren in Arheilgen hinterlassen. Die Arheilger nannten ihren Pfarrer liebevoll „Schwarzer Karl" wegen seiner schwarzen Haare und seiner stets schwarzen Kleidung. Als immer ansprechbarer Gemeindepfarrer, treu sorgender Seelsorger und vor allem als mutiger Kämpfer der Bekennenden Kirche gegen die nationalsozialistische Kirchenleitung bleibt er in Arheilgen unvergessen. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Karl Grein zu den Gründungsvätern der EKHN. Eine Erinnerungstafel am Pfarrhaus der Auferstehungsgemeinde erinnert daran. Eine Straße in Arheilgen trägt seinen Namen.

Hans-Heinrich Herwig erinnert knapp und instruktiv an das Leben und Wirken Karl Greins als Gemeindepfarrer. Sein Leitspruch: "Helfen, raten, dienen" zieht sich wie ein roter Faden durch seine Tätigkeit in Arheilgen von der Weimarer Republik (1920) über die Nazizeit bis hin zur jungen Bonner Republik (ab 1949).

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung knüpfte in seiner Festpredigt am 5. September 2010 in Arheilgen an diesen Leitspruch Karl Greins an. In einer Predigt im Jahre 1934 mahnte Karl Grein: „ Die Kirche darf sich nicht dem ihr von außen diktierten Geist unterwerfen. Sie muss nach ihrer inneren Bestimmung gebaut werden. Sie orientiert sich an Gottes Geist."

Professor Castritius, gebürtiger Arheilger, vermittelt in seinem Artikel den Leserinnen und Lesern einen prägnanten Überblick über die Kirchen- und Ortsgeschichte Arheilgens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Oberbürgermeister a. D. Peter Benz beleuchtet anhand zahlreicher Beispiele die facettenreiche Wandlung Arheilgens (1900 bis 1933) vom Bauerndorf zur Darmstädter Vorstadt. Oberkirchenrat i.R. Dr. Klaus-Dieter Grunwald erweitert das Bild: Nicht nur in Arheilgen trotzten ein mutiger Pfarrer und zahlreiche aufrechte Gemeindeglieder den Nazis, auch in Darmstadt widerstanden mehrere der insgesamt 17 Darmstädter evangelischen Gemeinden dem Regime. Die Evangelische Woche 1937 in der Paulusgemeinde wurde reichsweit bekannt und führte bei weiteren mutigen Pfarrern der Bekennenden Kirche in Darmstadt zu Verhaftungen und Repressalien.

Der Abdruck der von dem Historiker Peter Behr gestalteten Ausstellungstafeln zu Ehren von Karl Grein, eine Zeittafel über das Leben des Jubilars und eine mahnende Gedenkpredigt Karl Greins vom 29. April 1945 runden das gelungene und lesenswerte Erinnerungsbuch ab.

 

 

Bericht über den Besuch im Karmeliterkloster Frankfurt

Vor Ort ging Prof. Castritius auf die Geschichte der Karmeliter und den Werdegang des Klosters in Frankfurt ein: Mitte des 12. Jhdt. lebten Eremiten im Karmel-Gebirge bei Haifa/Israel, die sich in einem losen Verbund organisierten. Bereits im 13. Jhdt. entstand im Stadtkern Frankfurts ein bedeutendes Zentrum der Karmeliter. Im 15. Jhdt. gab es ca. 40 Ordensbrüder und Laien-Bruderschaften, die dann auch Geldgeber für Ausbau und Ausgestaltung des Klosters waren.
Im Jahr 1514 wurde Jerg Ratgeb von den Karmelitern mit dem Anfertigen der Wandmalereien beauftragt, die heute noch zu besichtigen sind. Diese Malereien im Kreuz-ang und im Refektorium sind die größten nördlich der Alpen.
Im März 1944 wurde das Kloster zum größten Teil durch Bomben zerstört. Danach erfolgte schrittweise die Restaurierung. Die letzten Arbeiten für über 8 Millionen € wurden erst kürzlich abgeschlossen.
Nun ging Pfarrer Ruhl auf die Wandmalereien von Ratgeb ein. Bei seinen Nachforschungen zur Arheilger Wallfahrtskirche stieß Herr Ruhl beim Betrachten der Malereien auf 2 Bildunterschriften, in denen tatsächlich das Wort "Arheiligen" vorkommt. Auch hiermit ist also die Existenz sowie Größe und Bedeutung dieser Wallfahrtskirche belegt, die wohl noch im Jahre 1535 existierte. Die Bildunterschriften weisen auf die Stifter der Malereien hin, von denen Joh. Carpentarius, Altarist in "Arheiligen" sogar in der Karmeliterkirche begraben ist. Ebenso erwähnt sind der Seelsorger Maternus Sartorius und Bruder Conrad, Priester und Mönch des Arheilger Klosters. Diese Querverbindung war für die Arheilger Besucher von größtem Interesse.
Das Leben von J. Ratgeb endete tragisch: er wurde wegen Hochverrats angeklagt und auf grausame Weise hingerichtet.
Am Ende bedankten sich alle Teilnehmer bei den beiden Referenten für die hochinteressanten Ausführungen. Nach einem gemeinsamen Essen in Frankfurt fuhr man mit der S-Bahn wieder nach Arheilgen.